
Menschenreparatur
Beratungsstellen, Versorgungszentren, Sozialstationen, Kurheime, Kliniken: moderne Menschenreparaturbetriebe.
Wir leben in einem Wald von Versorgungsdiensten.
Sie arbeiten und arbeiten, aber sie schöpfen Wasser mit einem Sieb.
Kranken Menschen leben helfen in einer kranken Gesellschaft, die sie noch kränker macht, ist ein Teufelskreis, solange keine Anlagen gibt, in denen die Sphäre des öffentlichen
Bewusstseins gereinigt wird.
Die geistig-seelische Gesundheit des Menschen kann nur gewährleistet werden durch eine gründliche
Sanierung von Ehe und Familie.
Der allererste Lebensraum des Menschen muß gesund sein:
das Herz von Vater und Mutter.
Hat der Mensch die drei Grundbedürfnisse von Nahrung, Kleidung, Wohnung
befriedigt, befindet er sich in einem luftleeren Raum, in einem geistigen Vakuum.
Und er fängt an, vor der Leere zu fliehen in eine verzweifelte Vitalität.
Menschen drängen sich zu den Angeboten der Freizeitindustrie.
Freizeit wird teurer Zeitvertreib.
Eine geschäftlich organisierte und lautstark demonstrierte Lebensfreude
ist maskierter Mangel an Lebensmut.
Menschen fliehen vor der geistigen Leere in den materiellen Überfluß.
Eine unvorstellbare Verschwendung macht sich breit.
Der Mensch verfügt über alle Mittel zum Leben, aber er findet keinen
Sinn mehr zum Leben.
Geistig verarmt, innerlich verhungert, wird er mit der Situation der Zukunft kaum fertig werden.
Unbewusst spürt er das, aber er weicht der Anstrengung aus, die zu einer radikalen Änderung gehört,
zu einer neuen Lebensweise.

Irgendwo verloren
Nach dem Namen habe ich dich nicht gefragt.
Du hättest ihn mir doch nicht gesagt.
Es war ein qualvolles Telefongespräch,
der hals war dir wie zugeschnürt.
Vielleicht hattest du gezögert,
die Nummer zu wählen, vielleicht zu lange.
Ich erinnere mich , wie die Worte abgehakt aus dir hervorbrachen:
"Meine Mutter hat mich gehaßt, immer gehaßt.
Mein Leben ist nicht auszuhalten.
Ich bin schon lange umgebracht.
Hätte sie mich nur abgetrieben.
Ich bin für Abtreibung.
Ich bin bereit, öffentlichen Selbstmord zu machen,
um dadurch die Abtreibung durchzusetzen."
Dann kamen wir langsam ins Gespräch, in ein langes Gespräch.
Ich hatte unendliches Mitleid mit dir, mit deiner Unfähigkeit, zu leben und ein bißchen glücklich
zu sein.
Ich hörte in deiner Stimme den Schrei eines jeden Kindes, das zur Welt kommt,
den Schrei nach einem Vater und einer Mutter, nach zwei Armen, in die man sich
flüchten kann, den Schrei nach menschlicher Wärme,nach
Geborgenheit, nach einem Zuhause auf Erden, nach Liebe, Güte,
Freundschaft.
Du hast alles entbehren müssen.
Immer bist du in der Kälte gestanden und dadurch eiskalt geworden.
Ich verstehe deine Empörung, deine Forderung nach Abtreibung.
Dann brauchtest du jetzt nicht an Selbstmord zu denken.
Das Leben ist für dich eine ständige unerträgliche Qual.
Das schlimmste, was es gibt.
Ich spürte am anderen Ende der Leitung ein trostloses Häufchen Elend, weit weg, unauffindbar weit, irgendwo verloren in der Großstadt.
Du bist ein lebendiger Protest gegen die Lieblosigkeit in dieser Welt.

Für Stille sorgen
Wenn du mal fünf Minuten Zeit hast,
weißt du, was du dann tun musst?
Mal nachdenken!
Mal für Ruhe sorgen um dich herum.
Radio und Recorder abstellen, Fernseher ausmachen,
die Illustrierte, die Zeitung weglegen.
Ausschalten!
Mach dich frei
Aus den Zwängen der Konsumgesellschaft,
die mit den Rüsseln ihrer Reklame
den letzten Rest Freiheit und Geist aussaugt:
eine Riesenkrake.
Ruhe schaffen, still werden,
das Innen mit Schweigen füllen,
den Puls des eigenen Herzens fühlen.
Du musst wissen, wie weit es schon abgestorben ist,
verendet im Würgegriff von Geld, Konsum, Profit,
beerdigt im Massengrab der Meinungen.
Du bist groß im Reden,
lässt Appelle los, legst Proteste ein.
Die Armen der Dritten Welt,
die Armen bei uns haben nichts
von deinem Diskutieren und Protestieren
und von deinen schlauen Vorschlägen.
Sie werden davon angeekelt, weil sie wissen:
Du ertrinkst am Überfluß dessen,
was sie so bitter entbehren.
Sie werden dich wieder ernst nehmen,
wenn der Puls deines Herzens richtig schlägt,
wenn das Profit- und Konsumfieber herunter ist.
Ich weiß etwas gegen dieses Fieber,
vielleicht das einzige Mittel, das hilft:
Mut zum Verzicht und Maß.
